EIN QUARTIERPARK IN SEOUL

Seocho-Gu, Seoul, Südkorea

Kim Gitae, Citizen Scientist

Ein grüner Fleck in einer Zehn-Millionen-Metropole: das ist der Ort, an dem die Kamera von Triggered by Motion installiert wurde. Ein ganzes Jahr lang filmte sie ihre Umgebung in einem Park am Rand eines Wohngebiets in Seoul. Obwohl der Park selbst nur aus einem kleinen Hügel besteht, ist er Teil eines riesigen bergigen Geländes, das sich vom Stadtrand Seouls bis in den südlichen Teil von Gyeonggi-do erstreckt und die umliegenden Berge und Bergstrassen miteinander verbindet. Rund um das Gebiet, in dem die Kamerafalle installiert ist, gibt es Sportparks und Wanderwege, die von den Anwohnerinnen und Anwohnern genutzt werden.

Installiert wurde die Kamera vom Videokünstler Gitae Kim, der schon lange in Seoul lebt. Mit Ausnahme von Katzen oder Tauben hatte Gitae bis dahin in seiner Stadt noch nie ein wildes Tier gesehen.Er erwartete deshalb nicht, dass seine Kamera in diesem urbanen Gebiet andere Spezies aufzeichnen würde. Zu seiner Überraschung filmte sie aber recht häufig Wasserrehe (Hydropotes inermis), einige Feuerwiesel (Mustela siberica) und sogar Marderhunde (Nyctereutes procyonoides).

Das vielleicht interessanteste Tier, das in Gitaes Kamerafalle tappte, ist auch das gewöhnlichste: die Hauskatze (Felis cattus). In Seoul und anderen koreanischen Grossstädten gibt es immer mehr streunende Katzen, was vielleicht auf die wachsende Popularität der Haustierkultur zurückzuführen ist. Seit einigen Jahren werden sie zunehmend von Katzenliebhaberinnen und -liebhabern umsorgt, die oft «Katzenmütter» genannt werden.

Die Stadtregierung von Seoul hat die fürsorgerischen Tätigkeiten dieser «Katzenmütter» vor einiger Zeit aufgegriffen und eine Reihe von Initiativen ins Leben gerufen. Sie zielen darauf ab, die streunenden Katzen als nichtmenschliche Stadtbewohnerinnen zu betrachten, ihnen Aufmerksamkeit zu schenken und sich um sie zu kümmern. Zu den Massnahmen gehören nicht nur Kastrationen, sondern auch die Subventionierung von Katzenmüttergruppen, die Bereitstellung von Winterunterkünften, die Organisation von Sensibilisierungskampagnen und regelmässige Fütterungsaktionen.

Die Bemühungen der Stadtregierung zeigen, dass in der Einstellung gegenüber Strassenkatzen ein gesellschaftlicher Wandel stattgefunden hat. Das wiederum hat sich wahrscheinlich auf deren Anzahl ausgewirkt, was ihr häufiges Auftreten in den Videodaten erklärt.

Das Filmmaterial, das Gitae im Laufe eines Jahres gesammelt hat, zeigt die Stadt als einen mehr-als-menschlichen Raum, in dem Menschen und nichtmenschliche Wesen zusammenleben. Es hat auch Gitaes Perspektive auf seine Stadt verändert. Inmitten der trostlosen Metropole wurde ihm klar, dass er der lebendigen Tierwelt um ihn herum bis anhin wenig Aufmerksamkeit geschenkt hatte.

Jetzt sieht er seinen Quartierpark mit anderen Augen.