MOREMI-WILDRESERVAT

Okavango-Delta, Botswana

Gabriele Cozzi, Universität Zürich
Peter Apps, Botswana Predator Conservation
Megan Claase, Botswana Predator Conservation

Das Moremi-Wildreservat hat eine lange Geschichte. Es wurde 1963 – noch vor der Entkolonialisierung Botswanas – von Elizabeth Purane Moremi ausgerufen, der Witwe des ehemaligen Chief Moremi III. und Herrscherin über das baTawana-Gebiet im Norden des Landes. Mit der Einrichtung des Moremi-Wildreservats wollten die baTawana bedrohte Wildtiere schützen und die üppige Landschaft im Herzen des Okavango-Deltas bewahren.

1989 wurde im Reservat das African Wild Dog Project ins Leben gerufen. Ursprünglich sollte in seinem Rahmen das Verhalten von Afrikanischen Wildhunden (Lycaon pictus) erforscht werden, doch im Lauf von drei Jahrzehnten hat sich das Projekt zum Botswana Predator Conservation (BPC) entwickelt, einem Dachprogramm für die Erforschung aller grossen Raubtiere im Reservat. Hier haben Gabriele Cozzi von der Universität Zürich und Peter Apps und Megan Claase vom BPC eine Kamerafalle für Triggered by Motion installiert. Sie ist eine von fünf am Standort und befindet sich im Verbreitungsgebiet der grössten afrikanischen Wildhundpopulation.

Afrikanische Wildhunde sind sehr soziale Raubtiere. Sie bewegen sich in Rudeln und hinterlassen unterwegs Duftmarkierungen, um ihr Revier zu kennzeichnen. Die Kamerafallen werden eingesetzt, um dieses Verhalten zu untersuchen. Anhand des Filmmaterials wird analysiert, wo die Tiere ihren Kot und Urin absetzen und wie andere Hunde auf diese Markierungen reagieren. Letztendlich zielt das Projekt darauf ab, die chemische Kommunikation zwischen Individuen desselben Rudels und zwischen benachbarten Rudeln zu verstehen.

Die Forscherinnen und Forscher des Botswana Predator Conservation-Projekts arbeiten seit knapp zehn Jahren mit Kamerafallen. Sie nutzen auch GPS-Halsbänder und direkte Beobachtung – aber nur mit Kamerafallen können sie die Markierungsstellen der Hunde über mehrere Monate hinweg effektiv überwachen.

Diese Forschung ist dringend notwendig. Afrikanische Wildhunde sind stark gefährdet, vor allem durch den Verlust ihres Lebensraums und durch Konflikte zwischen Mensch und Raubtier. Weil die Hunde Vieh angreifen, werden sie oft von Bauern und Hirten getötet. Peter Apps, Gabriele Cozzi, Megan Claase und das Team von BPC nutzen die Daten, die sie mithilfe von Kamerafallen sammeln, um eine sogenannte «BioBoundary» zu entwickeln: Künstliche chemische Signale sollen die Rudel sicher innerhalb der Grenzen von Schutzgebieten halten. Auf der ganzen Welt gehen Raubtierpopulationen zurück, weil sie wegen Angriffen auf Nutztiere getötet werden. Die BioBoundary ist derzeit die beste Hoffnung, diese Entwicklung zu verlangsamen oder umzukehren.

Seit seiner Gründung ist das Ziel des Moremi-Wildreservats also unverändert geblieben: Wildtiere zu schützen und Flora, Fauna und ökologische Prozesse in einem Zustand zu erhalten, der ihrem natürlichen Zustand so nahe wie möglich kommt.