COYOTE CREEK FIELD STATION

San José, Kalifornien, USA

Dan Wenny, San Francisco Bay Bird Observatory
Yiwei Wang, San Francisco Bay Bird Observatory

Noch vor zehn Jahren war San José von Feldern umgeben. In der Zwischenzeit sind an ihrer Stelle Lagerhäuser und Bürogebäude aus dem Boden geschossen. Doch selbst in diesem urbanen Ballungsraum gibt es am Ufer des Coyote Creek noch ein paar Flecken Natur. Sie bilden einen Lebensraum für über vierzig einheimische und mehr als sechzig Zugvogelarten. Hier hat Dan Wenny vom San Francisco Bay Bird Observatory (SFBBO) eine Kamerafalle für Triggered by Motion aufgestellt.

Das Land um die Feldstation am Coyote Creek, auf dem sich die Kamerafalle befindet, gehört dem Santa Clara Valley Water District. Die Feldstation selbst wurde in den 1980er-Jahren eingerichtet. Damals baute der Wasserbezirk ein Hochwasserschutz-Kanalsystem entlang der Ufer des Coyote Creek. Weil während der Bauarbeiten ein Teil der Ufervegetation entfernt werden musste, richtete der Santa Clara Valley Water District am Coyote Creek eine Renaturierungsstelle ein, die heute die Coyote Creek Field Station ist.

Die Arbeit in der Feldstation Coyote Creek begann im Jahr 1983. Hier werden einheimische und Zugvögel beringt. Auf diese Weise kann das SFBBO die Vögel über lange Zeiträume hinweg beobachten, um so die Zugrouten, Zwischenstopps während der Migration und die Verbindungen zwischen Brut- und Nichtbrutgebieten besser zu verstehen. Mit der Kamerafalle werden Raubtiere in der Umgebung der Beringungsstation überwacht, die den Vögeln gefährlich werden könnten.

Wilde Katzen sind relativ häufig, tauchen in den Kamerafallendaten aber selten auf – wahrscheinlich, weil die Kamera auf den Bach und nicht das Uferwäldchen gerichtet war. Anstelle von Katzen zeichnete sie vor allem Stockenten (Anas platyrhynchos), Rotschwanzbussarde (Buteo jamaicensis) und Waschbären (Procyon lotor) auf. Kanadareiher (Ardea herodias), Weisswedelhirsche (Odocoileus virginianus) und Kojoten (Canis latrans) wurden etwas seltener aufgenommen, und selten ist in den Aufnahmen eine Schleiereule (Tyto alba) zu sehen.

Für den Schutz gefährdeter Zugvogelarten ist es wichtig, alle Phasen des Jahreszyklus zu kennen. In der San Francisco Bay Area ist die Artenvielfalt im Winter viel grösser als im Sommer, weil es im Sommer zu wenig regnet. Die milden Winterbedingungen hingegen machen dieses Gebiet zu einem Magneten für Zugvögel.

Manche Arten nutzen das Gebiet um die Coyote Creek Field Station bloss für einige Wochen Frühjahr (April–Mai) oder im Herbst (September–Oktober). Andere Arten hingegen nisten am Coyote Creek (April–Juli) oder verbringen die Nichtbrutzeit (Oktober–März) hier. Nur wenige Arten sind ganzjährig anwesend. Die Feldstation bietet also wichtigen Lebensraum für verschiedene Phasen des Jahreszyklus verschiedener Arten.

Für diese Arten ist das Flussufer wie eine kleine Insel. Die Region um den Coyote Creek ist ein Ballungsgebiet mit über 7 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern. Ein grosser Teil davon war früher von Eichenwäldern bedeckt, die heute fast vollständig städtischen Wohngebieten gewichen sind. In der Bucht von San Francisco selbst gab es Marschland und Übergangszonen, die grösstenteils durch Salzteiche ersetzt wurden. Ein grosses Projekt zur Wiederherstellung des Marschlands ist im Gange. Dennoch dürfen die kleinen Flecken Land, die für die Tierwelt übrig geblieben sind, nicht unterschätzt werden – denn die Forschung hat gezeigt, dass nicht nur grosse Naturschutzgebiete, sondern auch kleinere Flächen wie die Uferwälder rund um die Feldstation für die vielen Zugvögel im Silicon Valley wichtig sind.

Dies ist eine der zentralen Erkenntnisse aus der Arbeit der SFBBO in der Bucht von San Francisco: Obwohl die meisten Erhaltungsmassnahmen auf grosse, hochwertige Lebensräume ausgerichtet sind, sollten kleine oder geschädigte Lebensräume nicht vernachlässigt werden.