Grande Cariçaie, Neuchâtel, Schweiz
Stefan Suter, WLS.CH / Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW)
Das Naturschutzgebiet Fanel liegt in der Grande Cariçaie, dem grössten Feuchtgebiet der Schweiz, das sich über fast 3000 Hektare entlang des Neuenburgersees erstreckt. Es ist ein echter Biodiversitäts-Hotspot: Rund 800 Pflanzen- und 10'000 Tierarten leben hier.
In der Kernzone des Fanel ist das Jagen verboten. Im Herbst, wenn die Jagdsaison beginnt, finden deshalb viele Wildschweine dort Schutz. Diese Tiere sind das Hauptforschungsinteresse von Stefan Suter, der die Kamera von Triggered by Motion im Fanel installiert und betreut hat.
In der Schweiz sind Wildschweine eine Herausforderung für die Landwirtschaft. Die Tiere pflügen die Felder um und ruinieren die Ernten. Wegen des reichhaltigen Nahrungsangebots und einer aussergewöhnlich hohen Vermehrungsrate nimmt ihre Population seit Jahrzehnten zu. Das wird sich in Zukunft nicht ändern – und mit der Population wachsen auch die Schäden.
Deshalb arbeiten Stefan Suter und seine Forschungsgruppe an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) an Lösungen, um die Tiere in Schach zu halten. Mithilfe von GPS-Halsbändern, Kamerafallen und Flugdrohnen verfolgen sie die Bewegungen der Tiere. Für das Management von Schutzgebieten wie dem Fanel ist es wichtig, die lokale Dichte und das Verhalten der Wildschweine und die Auswirkungen davon zu kennen.
Bekannt ist das Fanel allerdings nicht in erster Linie für seine Wildschweine, sondern als Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiet für Zug- und Wasservögel. Anfang der 1920er-Jahre gelang es dem Schweizer Ornithologen Albert Hess, es unter Schutz zu stellen. Im Jahr 1976 wurde es als erstes Schweizer Naturschutzgebiet in die →RAMSAR-Liste aufgenommen. Das macht es zu einem Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung.
Bislang wurden in dem Gebiet rund 300 verschiedene Vogelarten gezählt – wahrscheinlich mehr als in jedem anderen Schutzgebiet der Schweiz. Die Kamerafalle von Triggered by Motion hat mindestens 39 Arten erfasst, unter anderem Graureiher (Ardea cinerea), Silberreiher (Ardea alba), Mäusebussarde (Buteo buteo) und Rohrdommeln (Botaurus stellaris).
Auch viele andere Arten tauchen in den Aufnahmen auf. Eine davon ist die Europäische Wildkatze (Felis silvestris), die in der Schweiz seit 1962 geschützt ist. Im Jahr 2020 wurde sie von Pro Natura zum Tier des Jahres gekürt. Obwohl sie auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche Hauskatze aussieht, gehört die Europäische Wildkatze zu den bedrohten Tierarten, weil sie oft auf der Strasse getötet wird – und weil sie sich mit Hauskatzen paart. Im Fanel profitieren die Katzen von den seltenen Störungen durch Menschen, vom milden Klima und – dank dem See – von einem breiten Futterangebot, das aus Mäusen und Wasservögeln besteht.
Als Stefan Suter 2017 zum ersten Mal eine Wildkatze im Fanel entdeckte, war er sehr aufgeregt. In den Jahren seither haben sich die Tiere vermehrt: Ihre hohe Dichte zeigt, dass das Naturschutzgebiet ein geeigneter Lebensraum für sie ist. Nun ist eine weitere neue Art aufgetaucht. Die Kamerafalle von Triggered by Motion hat einen Goldschakal (Canis aureus) aufgenommen. Laut Stefan Suter ist dies wahrscheinlich das erste Mal, dass in der Schweiz ein freilebender Schakal gefilmt wurde. Die Zeit wird zeigen, ob sich der Goldschakal im Naturschutzgebiet ausbreiten wird – so wie es die Wildkatze tat.






