Kalahari, Südafrika
Marta Manser, Universität Zürich
Brigitte Spillmann, Universität Zürich
Zoe Turner, Kalahari Research Centre
Die Kalahari ist eine semi-aride, das heisst halbtrockene Wüste: Die Sommer sind heiss und feucht, die Winter kalt und trocken. Im Laufe des Jahres verändert sich die Landschaft, und die trockene Sandwüste wird von saurem Gras und kleinen Sträuchern überwachsen. Hier liegt das Kalahari Research Centre, wo die Verhaltensökologin Marta Manser seit über 20 Jahren Erdmännchen erforscht.

Das Kalahari Research Project wurde 1993 ins Leben gerufen und ist noch immer im Gange. Geleitet wird es von der Universität Zürich und der Universität Cambridge, in Kooperation mit mehreren Universitäten in Europa, Afrika und Australien. Das Hauptaugenmerk des Projekts liegt auf der Erforschung der Sozialität von Säugetieren und Vögeln in ihren Lebensräumen. Untersucht werden insbesondere kooperatives Verhalten, Abwehrstrategien gegen Raubtiere, Kommunikationsmechanismen und Entscheidungsfindungsprozesse in kooperativen Gruppen von Erdmännchen (Suricata suricatta) und Kap-Borstenhörnchen (Geosciurus inauris).
Die kleinen Tiere mögen auf den ersten Blick recht gewöhnlich erscheinen – tatsächlich sind ihre sozialen Strukturen aber äusserst komplex und es werden ständig neue Erkenntnisse über ihr Verhalten und ihre Kommunikation gewonnen. Beispielsweise haben sich die Erdmännchen physiologisch an das extreme Wüstenklima der Kalahari angepasst und zeigen auch entsprechende Verhaltensanpassungen. Im Winter wärmen sie sich frühmorgens mit einem Sonnenbad auf, bevor sie auf Futtersuche gehen. So können sie ihre Körpertemperatur aufrechterhalten, ohne viel Energie zu verlieren.
Marta Manser und ihr Team arbeiten hauptsächlich mit Verhaltensbeobachtungen, akustischen Aufzeichnungen, Gesundheitsdaten (wie dem Gewicht) und Umweltdaten, um die Tiere zu erforschen. Maschinelles Lernen kommt ebenfalls zum Einsatz: damit werden akustische Daten verarbeitet, um Individuen zu identifizieren und Ruftypen zu gruppieren. Kamerafallen werden ebenfalls eingesetzt, allerdings derzeit nicht systematisch.
Das macht die Aufnahmen, die für Triggered by Motion gemacht wurden, umso besonderer. Die Kamerafalle wurde am Eingang zu einem Erdmännchen- und Borstenhörnchenhöhlensystem aufgestellt, wo sie interessante Verhaltensweisen aufzeichnete, die nur selten beobachtet werden – zum Beispiel Erdmännchen, die sich einer rivalisierenden Gruppe entgegenstellen. Oder Erdmännchen, die allein umherstreifen, um zu versuchen, eine eigene Gruppe zu gründen oder in einer anderen Gruppe eine Partnerin zu finden.
Neben den Erdmännchen und den Kap-Erdhörnchen tauchen auch viele Springböcke (Antidorcas marsupialis) in den Aufnahmen auf.
Nicht nur die Sozialität der Erdmännchen, auch der Klimawandel ist ein wichtiges Thema am Kalahari Research Centre. Hitzeperioden, in denen das Futter knapp ist, werden immer länger, was sich auf die Erdmännchenpopulation auswirkt. Marta Manser hat zum Beispiel festgestellt, dass die drei Monate alten Jungtiere heute leichter sind als früher. Innerhalb der letzten beiden Dürreperioden ist die Erdmännchenpopulation in der Kalahari um 50 Prozent zurückgegangen. Vor diesem Hintergrund ist die Forschung von Marta Manser und ihrem Team von entscheidender Bedeutung.





