ILGAZ-DAĞI-NATIONALPARK

Kastamonu, Türkei

Anil Soyumert, Universität Kastamonu
Alper Ertürk, Universität Kastamonu
Dilşad Dağtekin, Universität Zürich
Arpat Ozgul, Universität Zürich

Jahreszeiten haben einen grossen Einfluss auf das Verhalten von Wildtieren. Gerade in unserer gemässigten Klimazone, in der es kaum extreme Temperaturen und vier deutlich ausgeprägte Jahreszeiten gibt, nutzen Wildtierpopulationen ihre Lebensräume je nach Saison unterschiedlich. Zum Beispiel verändert sich mit dem Wintereinbruch für viele Tiere die Nahrungssuche.

In Zukunft wird der Klimawandel den bisherigen Ablauf der Jahreszeiten durcheinanderbringen – und das wiederum wird für Wildtiere teils erhebliche Folgen haben.

Dilşad Dağtekin und Arpat Ozgul von der Universität Zürich untersuchen deshalb, wie sich Jahreszeiten auf die Lebensraumnutzung und das gemeinsame Auftreten von verschiedenen Grosssäugerarten in der Nordwesttürkei auswirken. Dafür arbeiten sie mit Anil Soyumert und Alper Ertürk von der Universität Kastamonu zusammen, die in dieser Gegend schon seit über zehn Jahren Kamerafallendaten erheben.

Obwohl jahreszeitliche Schwankungen ein wichtiger Faktor sind, basieren viele Analysen von Wildtierpopulationen auf Jahresmodellen. Dilşad hingegen wertet die Kamerafallendaten mit saisonalen Modellen aus, um die jahreszeitlich bedingten lebensgeschichtlichen Anpassungen von Wildtieren verstehen zu können.

Im Zentrum von Dilşads Forschung in der Türkei stehen der Braunbär (Ursus arctos), der eurasische Luchs (Lynx lynx), der Grauwolf (Canis lupus), der Rotfuchs (Vulpes vulpes), das Wildschwein (Sus scrofa), das Reh (Capreolus capreolus), der Feldhase (Lepus europaeus) und der Rothirsch (Cervus elaphus). Sie möchte herausfinden, wie jahreszeitliche Schwankungen in Schutzmassnahmen und Wildtiermanagement-Pläne für diese Arten einbezogen werden können.

Die Studie dreht sich aber nicht nur um die Auswirkungen, die Jahreszeiten auf einzelne Tierarten haben. Dilşad untersucht auch, wie verschiedene Arten miteinander interagieren und nach welchen Mustern sie in der Region gemeinsam vorkommen. Zum Beispiel haben sie und ihr Team herausgefunden, dass Hauptbeutetier des Luchses in der Türkei nicht wie andernorts das Reh, sondern der Hase ist.

Die Türkei ist eine wenig erforschte Region, was ihre Fauna betrifft. Dabei ist die Bewirtschaftung von grossen Säugetieren wie dem Luchs, dem Hirsch oder dem Bären besonders wichtig, weil sie in den meisten Ökosystemen eine Schlüsselrolle spielen.

Die Untersuchung von jahreszeitlichen Schwankungen und die Identifizierung der dafür verantwortlichen Faktoren kann als Grundlage für die Entwicklung wirksamer Schutzpläne dienen. Insbesondere Langzeitprojekte wie die Kamerafallenforschung von Dilşad, Arpat, Alper und Anil werden in Zukunft wertvoll sein. Sie werden uns helfen, die Reaktionen von Wildtierpopulationen auf den Klimawandel und andere vom Menschen verursachte Störungen zu verstehen.